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Foto: Kelly Lacy, cc
Foto: Kelly Lacy, cc

Historische und Politische Geographie

Im Kern beschäftigen mich in meiner Forschung zwei zentrale Fragen: Welche Rolle spielt Vergangenes bei der machtvollen Gestaltung von Räumen in modernen und post-modernen Gesellschaften? Und welche Rolle spielt das Verhältnis von Macht und Raum in vergangenen Lebenswelten. Damit verbinde ich zwei Grundprämissen der Historischen Geographie und der Politischen Geographie: Der Historizität raum-zeitlicher Strukturen und der Bedeutung von Macht für die räumlichen Dimensionen der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit. 

Ländlichkeit und Grenzen

Meine historisch-geographischen und politisch-geographischen Forschungen führen mich in erster Linie in räumliche Zusammenhänge, die sich durch unterschiedliche diskursive und materielle Formen des Ländlichen sowie durch Konstellationen des Trennenden und Nicht-mehr-Getrennten auszeichnen. Ländlichkeit und Grenzen verstehe ich dabei gleichermaßen als soziale Konstruktionen, die landschaftliche Strukturen in die Konstruktionsprozesse mit einbeziehen. Meine Projekte befassen sich daher mit der Historizität aktueller Konstruktionen des Ländlichen ebenso wie mit ländlicher Strukturpolitik in der Vergangenheit und den Auswirkungen dieser vergangenen Prozesse für die Gestaltung ländlicher Regionen in der Gegenwart. Besonders spannend werden diese Untersuchungen in transnationalen Kontexten von Grenzen, Grenzziehungen und grenzüberschreitenden Kooperationen, da hier Konstruktionen des Ländlichen im raum-zeitlichen Spannungsverhältnis von Nationalismen, Post-Nationalismen und Re-Nationalismen nachvollzogen werden können.  

Regionale Geographien Ostmitteleuropas

Empirisch untersuchen lassen sich meine Forschungsinteressen besonders gut in den historischen und aktuellen räumlichen Kontexten des östlichen Mitteleuropa. Beginnend im 19. Jahrhundert mit dem Imperium des Habsburgerreiches, mit der räumlichen und zeitlichen Zäsur in Europa nach dem Ersten Weltkrieg und mit den postsozialistischen Transformationen im Rahmen der Europäischen Integration werden in den heutigen ostmitteleuropäischen Ländern - in Polen, in der Tschechischen Republik, in der Slowakischen Republik oder in Ungarn - vielfältige Herausforderungen sichtbar, die als politisch-geographische Problemstellungen nur unter Berücksichtigung ihrer historisch-geographischen Grundlagen verstanden werden können. Daraus ergeben sich regionalgeographische Fragestellungen, die Anknüpfungspunkte an eine geographische Imperien-, Nationalismus- und Globalisierungsforschung, an eine geographische Transformationsforschung oder an eine Historische Geographie der Europäischen Integration ermöglichen. 

Hermeneutische Wissenssoziologie als Methodologie der Historischen Geographie

Ich verstehe Historische Geographie als historische Sozialwissenschaft. Max Weber definierte 1905 in "Die 'Objektivität' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis" Sozialwissenschaft als Disziplin, die sich neben der heutigen Gestaltung von Gesellschaft auch mit dem "geschichtlichen So-und-nicht-anders-Gewordensein" von Sozialität beschäftigt. Diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart gehört zu meinem Selbstverständlich als historisch arbeitender Geograph. Das wissenschaftliche Paradigma, dem sich meine Forschungen zuordnen lassen, ist stark geprägt vom Sozialkonstruktivismus nach Peter L. Berger und Thomas Luckmann und den daraus entstandenen wissenssoziologischen Theorie- und Methodologieentwicklungen. Vor allem die jüngsten Ansätze rund um den Kommunikativen Konstruktivismus und hier vor allem die raumtheoretischen Arbeiten von Hubert Knoblauch integriere ich in meine historisch-geographischen und politisch-geographischen Projekte. Ausgehend von diesem interpretativen Paradigma versuche ich die Hermeneutische Wissenssoziologie als Methodologie der Historischen Geographie fruchtbar zu machen und Methoden der Historischen Geographie - vor allem der Arbeit mit Archivquellen, mit Dokumenten, Karten, Bildern und materiellen Überlieferungen - mit Auswertungemethoden der interpretativen Sozialforschung zu verbinden.