Projekte


Verräumlichung von Relevanz

2018 – 2022

  • Projekttitel:
    Verräumlichung von Relevanz. Die Entstehung der Bayerischen Ostmark in der Weimarer Republik
  • Projektart:
    Promotionsprojekt. Die Arbeit wurde am 29. Juli 2022 als Dissertation in der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg eingereicht. Die Verteidigung ist für das Wintersemester 2022/2023 geplant.
  • Projektfinanzierung:
    Promotionsstipendium der Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw)
  • Projektlaufzeit: 
    Mai 2018 – Juli 2022  
  • Thematischer Hintergrund:
    Adolf Hitler verfügte am 19. Januar 1933 die Zusammenlegung des NS-Gaus Niederbayern-Oberpfalz mit dem Gau Oberfranken. Zur Bezeichnung dieses neuen Gaus nutzte er einen geographischen Namen, der im Laufe der 1920er Jahre entstanden war. Obwohl die 
    Bayerische Ostmark als Benennung für die Region an der Ostgrenze Bayerns ihre Wurzeln in der Weimarer Republik hatte, wurde sie bisher fast ausschließlich als Gaugebiet des Dritten Reichs untersucht. Im Rahmen des Projektes wurde die Entstehung der Bayerischen Ostmark dagegen als spezifisches Phänomen des Zeitraums zwischen 1918 und 1933 betrachtet.  
  • Untersuchungsgegenstand:
    Im Mittelpunkt des Projekts standen die strukturellen, formellen und institutionellen Rahmenbedingungen im politischen Mehrebenensystem der Weimarer Republik, die zwischen 1918 und 1933 zur Herausbildung der Bayerischen Ostmark als geographische Namensbezeichnung für die Region an der Ostgrenze Bayerns beigetragen haben. Dafür richtete sich der Blick auf bayerische Politiker und Beamte, die als politische und administrative Akteure innerhalb der Weimarer förderalen Ordnung wirkten und sich mit gesellschaftlichen Problemlagen und Themenkomplexen befassten, welche die Region an der Ostgrenze Bayerns betrafen. Ein besonderer Fokus der Untersuchung lag dabei auf denjenigen institutionellen Zusammenhängen, die staats- und verfassungsrechtlich mit Kompetenzen ausgestattet waren, um rämliche Strukturen im Deutschen Reich und im Freistaat Bayern hervorbringen, verändern oder beseitigen zu können. Diese Eingriffsmöglichkeiten in die räumliche Organisation des Deutschen Reichs wurden unter dem Begriff "Raumpolitik" zusammengefasst.
  • Theoretischer und methodologischer Rahmen:
    Konzeptionell gefasst wurden die Prozesse durch die theoretischen Annahmen der Kritischen Toponomastik und ein sozialkonstruktivistisches Verständnis von Verräumlichungsprozessen in föderalen politischen Ordnungen. Geographische Namen wurden als "gesellschaftliche Gebilde gesehen, die unter bestimmten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen zustande gekommen sind, in Verwendung bleiben und ihrerseits in einer bestimmten Weise auf die Gesellschaft einwirken" (Jordan 2022, S. 18). In Anlehnung an die sozialkonstruktivistische Perspektive in der Tradition von Peter L. Berger und Thomas Luckmann hat der Aspekt der Sprache eine wichtige Funktion für die Stabilität von gesellschaftlichen Institutionalisierungen. Geographische Namen wie der der Bayerischen Ostmark sind als sprachliche Manifestationen für erfolgte Regionalisierungen zu verstehen, die über das Verständnis für Verräumlichungsprozesse analytisch rekonstruiert werden können. Gerade für die Zeit der Weimarer Republik, in der die Bezeichnung Bayerische Ostmark noch nicht mit einer klaren territorial-administrativen Zuordnung verbunden war, wie dies dann im Dritten Reich über die Partei- und Verwaltungsstruktur des NS-Gaus Bayerische Ostmark erfolgte, können über den Begriff der Raumimagination die Prozesse sichtbar gemacht werden, die Verräumlichungen zu Regionalismen werden ließen. Denn Imaginationen sind fluide Zustände, die konkrete Raumformate bereits vorwegnehmen können, gleichzeitig aber verschiedene Raumwahrnehmungen offenlegen, die in Bezug auf einen noch nicht ganz eindeutig umgrenzten Raumausschnitt formuliert werden. Indem diese Raumimaginationen in konkreten politischen Ordnungen rekonstruiert werden, kann im Sinne der Kritischen Toponomastik danach gefragt werden, welche machtvollen Akteure mit welchen Benennungsmotiven bestimmte Namen vergeben. Durch einen Fokus auf raumpolitische Maßnahmen, die von politisch-administrativen Akteuren im Begründungszusammenhang mit einer bestimmten geographischen Namensgebung durchgeführt wurden, kann der Bedeutungszusammenhang zwischen diesen mentalen Konstruktionen und den machtvollen politischen Interessen sichtbar gemacht werden.
  • Projektergebnisse:
    Die Ergebnisse der Arbeit werden nach der geplanten Verteidigung im Wintersemester 2022/2023 veröffentlicht.

Transnationale Resilienzstrategien

2020 – 2021

  • Projekttitel:
    Transnationale Resilienzstrategien. Tschechische Arbeitsmigration und regionale Wirtschaftsförderung in Ostbayern nach Covid 19
  • Projektart:
    Interdisziplinäres Forschungsprojekt (Geographie, Politikwissenschaften, Volkswirtschaftslehre)
  • Projektfinanzierung:
    Bayerisch-Tschechische Hochschulagentur aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat im Rahmen der Sonderausschreibung des Programms "Bayerisch-tschechische akademische Projekte 2020 zur Covid-19-Pandemie und deren Folgen"
  • Projektpartner:
    Doc. Dr. Lukáš Novotný M.A. (Univerzita J. E. Purkyně, Ústí nad Labem)
    Ing. Johanna Trager M.A. (Univerzita Karlova, Praha)
  • Projektlaufzeit: 
    Juli 2020 – Dezember 2021 
  • Thematischer Hintergrund:
    Seit dem Ende des Kalten Kriegs und spätestens mit dem Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union entwickelten sich die ostbayerischen Landkreise entlang der Grenze zu Tschechien zu einer wichtigen Zielregion für tschechische Pendlerinnen und Pendler. Die Grenzschließungen im März 2020 als Reaktion auf die Ausbreitung der Corona-Pandemie hatten zumindest kurzfristig große Auswirkungen auf die Pendlerinnen und Pendler und die grenznahen Unternehmen. 
  • Untersuchungsgegenstand:
    Im Rahmen des Forschungsprojektes untersuchte das Projektteam die wirtschaftsgeographischen Folgen der Corona-Pandemie auf die tschechische Arbeitsmigration nach Ostbayern und den Umgang mit den Folgen durch die regionale Wirtschaftsförderung. Dies erfolgte exemplarisch durch eine Fallstudie im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. 
  • Theoretischer und methodologischer Rahmen:
    Das Projekt geht davon aus, dass im Zusammenhang des Europäischen Integrationsprozesses in den vergangenen 30 Jahren Unternehmen in der ostbayerischen Grenzregion Schritt für Schritt immer selbstverständlicher die Gewissheit offener Staatsgrenzen voraussetzten und in ihren Unternehmensstrategien berücksichtigten. Diese Erwartung wurde durch die Corona-Pandemie gestört. Davon ausgehend verfolgte das Projektteam drei Fragen: Inwiefern wirkte sich die Krisenerfahrung auf die Resilienzstrategien der Unternehmen im Landkreis Wunsiedel aus und haben die gemachten Erfahrungen Konsequenzen für die tschechischen Pendlerinnen und Pendler? Wurden die Grenzschließungen als Transformationsereignis geframt, welche die bisherigen Erfahrungen aus den vergangenen 30 Jahren für die künftigen Resilienzstrategien ausblenden oder zumindest aktualisieren? Wie gehen die Akteure der regionalen Wirtschaftsförderung mit den durch die Corona-Pandemie angestoßenen Veränderungsprozessen um und inwiefern werden tschechische Pendlerinnen und Pendler bei den künftigen Maßnahmen der regionalen Wirtschaftsförderung berücksichtigt? Zur Datenerhebung erfolgten eine Unternehmensbefragung sowie qualitative Interviews mit unterschiedlichen Stakeholdern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung im Landkreis Wunsiedel.
  • Projektergebnisse:
    Zur Auswertung der Projektergebnisse sind verschiedene wissenschaftliche Studien in Vorbereitung. Außerdem wurden im Rahmen der Wissenschaftskommunikation die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Portfolio-Medienarbeit.

Management of Crossborder Rurality

2019 – 2021

  • Projekttitel:
    Management of Crossborder Rurality | Bavaria Bohemia 1990 2020
  • Projektart:
    Interdisziplinäres Forschungsprojekt (Geographie, Politikwissenschaften, Ethnologie)
  • Projektfinanzierung:
    Bayerisch-Tschechische Hochschulagentur aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und Für Heimat und Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport der Tschechischen Republik im Rahmen des Joint Call Bayern - Tschechien 2019–2021
  • Projektpartner:
    Doc. Dr. Lukáš Novotný M.A. (Univerzita J. E. Purkyně, Ústí nad Labem)
    Doc. Mgr. Pavel Maškarinec, Ph.D. (Univerzita J. E. Purkyně, Ústí nad Labem)
    PhDr. Sandra Kreisslová, Ph.D. (Česká zemědělská univerzita, Praha)
  • Projektlaufzeit: 
    August 2019 – Dezember 2021
  • Thematischer Hintergrund:
    Bis zum Ende des Kalten Kriegs war die gemeinsame bayerisch-tschechische Grenzregion durch den Eisernen Vorhang getrennt. Räumliche Entwicklungsprozesse erfolgten vor dem Hintergrund der Systemlogiken des Ost-West-Konflikts und endeten an der Grenze. Erst durch die Europäische Wiedervereinigung seit den 1990er Jahren und insbesondere im Zusammenhang mit dem Europäischen Integrationsprozess und dem Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union werden Raumentwicklungen bei den politischen und administrativen Akteuren in der Grenzregion zunehmend grenzüberschreitend gedacht. 
  • Untersuchungsgegenstand:
    Das Forschungsprojekt evaluierte die räumlichen Entwicklungsprozesse in Bayern und der Tschechischen Republik nach dem Ende des Kalten Kriegs in einer transnationalen Forschungsperspektive. Grundlage für die Evaluationsstudie war die Anwendung und Weiterentwicklung des Landatlasses, der für die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Projekts "Monitoring Ländliche Räume" vom Johann Heinrich von Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig entwickelt wurde. Ausgehend von der Datengrundlage für Deutschland wurde der Landatlas auf die westliche Grenzregion der Tschechischen Republik ausgedehnt. Es entstand eine Zeitreihe, die erstmals für die postsozialistische Transformationsphase ländliche Entwicklungsprozesse in Bayern und der Tschechischen Republik kleinräumig aufbereitet und vergleicht. Basiernd auf dieser statistischen Auswertung wurden durch in einem Geographischen Informationssystem Karten zur grenzüberschreitenden Untersuchungsregion hergestellt, die für politische Handlungsempfehlungen und Beratungen herangezogen wurden. 
  • Theoretischer und methodologischer Rahmen:
    Neben den statistischen und kartographischen Auswertungen wurden in einer Interviewstudie mit politischen, wirtschaftlichen, administrativen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren der bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit akteursbezogene Perspektiven auf die grenzüberschreitenden Entwicklungsprozesse in den vergangenen 30 Jahren räumlich differenziert und im Kontext des politischen Mehrebenensystems skaliert rekonstruiert. Mit einer quantitativen Befragung bayerischer und tschechischer Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wurden die lokalpolitischen Managementinstrumente der Grenzkommunen untersucht und evaluiert, die seit dem Ende des Kalten Kriegs Anwendung gefunden haben.  
  • Projektergebnisse:
    Die Projektergebnisse wurden als wissenschaftliche Studie publiziert, als Handlungsempfehlungen an politische und administrative Akteure in der Grenzregion weitergegeben und im Rahmen der Wissenschaftskommunikation der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Portfolio-Medienarbeit.